Sommerandachten
                                                                       - die kleine Reihe als Alternative -

 

Für den 04. September 2022 – 12. Sonntag nach Trinitatis

 

Apostelgeschichte 9, 1 – 20 Der Verfolger wird Christ

Saulus, der die Jünger des Herrn immer noch mit großer Wut verfolgte und sie mit dem Tod bedrohte, ging zum Hohen Priester  und erbat sich Schreiben
an die Synagogen von Damaskus. Die Briefe würden ihn bevollmächtigen, die Anhänger des neuen Weges aufzuspüren, um diese Männer und Frauen
gefesselt nach Jerusalem zu bringen.
Aber auf dem Weg nach Damaskus, kurz vor der Stadt, strahlte plötzlich ein Licht aus dem Himmel. Es blendete ihn von allen Seiten,  sodass er zu Boden stürzte.
Gleichzeitig hörte er, wie eine Stimme zu ihm sagte: "Saul, Saul, warum verfolgst du mich?"
"Wer bist du, Herr?", fragte er. "Ich bin Jesus, der, den du verfolgst", erwiderte dieser.  "Steh jetzt auf und geh in die Stadt. Dort wird man dir sagen, was du tun sollst."
Die Männer, die ihn auf der Reise begleiteten, standen sprachlos da. Sie hörten zwar eine Stimme, sahen aber niemand.
Saulus richtete sich vom Boden auf und öffnete seine Augen – doch er konnte nichts sehen. Man musste ihn an der Hand nach Damaskus führen. Drei Tage lang war
er blind und aß und trank nichts.  In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Dem erschien der Herr in einer Vision. "Hananias!", sagte er. "Ja, Herr", antwortete dieser.
"Steh auf und geh in die 'Gerade Straße' in das Haus von Judas", befahl ihm der Herr. "Frage dort nach einem Saulus aus Tarsus. Er betet nämlich und hat in einer Vision
einen Mann namens Hananias gesehen, der hereinkam und ihm die Hände auflegte, damit er wieder sehen könnte."
"Herr", entgegnete Hananias, "ich habe von vielen Seiten gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen  in Jerusalem angetan hat.Und auch hier ist er von den
Hohen Priestern bevollmächtigt, alle zu verhaften, die deinen Namen anrufen."
Doch der Herr sagte: "Geh nur hin! Denn gerade ihn habe ich als Werkzeug für mich ausgewählt. Er soll meinen Namen bei Nichtjuden und ihren Königen genauso bekannt machen
wie bei den Israeliten.Ich werde ihm zeigen, wie viel er nun für meinen Namen leiden muss."
Da ging Hananias in jenes Haus. Er legte Saulus die Hände auf und sagte: "Saul, mein Bruder! Der Herr hat mich geschickt – Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist.
Du sollst wieder sehen können und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden."
Im selben Augenblick fiel es Saulus wie Schuppen von den Augen und er konnte wieder sehen. Er stand auf und ließ sich taufen. Dann aß er etwas und kam wieder zu Kräften.
Er war erst einige Tage bei den Jüngern in Damaskus,da predigte er auch schon in den Synagogen, dass Jesus der Sohn Gottes ist.

(Die Bibel:Neue evangelistische Übersetzung)

Wenn Gott dir begegnen will….
dann geht er dir nach, oder stellt sich dir in den Weg oder du wirst zu  ihm geführt.
Die Bibel ist voller Geschichten über die Vielfältigkeit Gottes, Menschen zu begegnen; und nicht jede ist so krass wie die des Saulus.

Die Ehebrecherin aus Johannes 8,3 wurde wohl von den Pharisäern aus ziemlich hinterlistigen Gründen zu Jesus geschleppt, aber nachdem
er die Situation in Ordnung gebracht hat, steht sie ganz allein vor ihm und es ist Zeit, für ihre ganz persönliche Begegnung mit ihm.

In 1. Könige 19 lesen wir von Elia, der verzweifelt auf den  Berg Horeb geflüchtet ist und Gott sein Leid klagt, und Gott selber
stellt die  Begegnung her. Aber nicht in der Gewalt von Sturm, Erdbeben oder Feuer, nein im leisten Säuseln des Windes
tröstet und stärkt Gott den Propheten.

Und diese Begegnungen verändern die Menschen. Elia hat wieder Kraft und Lebensmut, seine Aufgaben als Prophet Gottes zu verrichten.
er Ehebrecherin wurde Vergebung zugesprochen und der klare Auftrag, nicht mehr zu sündigen.
Und Saulus? Der hatte es zunächst in seinem neuen Leben als Christ nicht wirklich leicht. Viele Christen trauten ihm nicht wirklich
seine Veränderung zu und von den jüdischen Pharisäern wurde er verfolgt mit der Absicht, ihn zu töten.
Aber ihn hatte diese Begegnung mit Gottes Sohn völlig verändert. Nicht nur namentlich von Saulus zu Paulus (Apostelgeschichte 13,9) ,
st er zum berufenen Botschafter und Lehrer für die urchristlichen Gemeinden geworden –und ist es durch die Bibel bis heute für uns alle.

Und Du und Ich? Sicher können wir wie gewohnt in unseren geschäftigen Tag gehen  und uns darauf verlassen, dass schon alles so kommt,
wie es sein sollte.
Wir können aber auch im Gebet darum bitten, dass Gott uns Augen, Ohren und das Herz öffnet, um ihn besser wahr zu nehmen, uns für seine Begegnungen bereit zu machen.
Vielleicht so:

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Wahrheit, die uns frei macht.
Du Geist des Sturmes, der uns unruhig macht.
Du Geist des Mutes, der uns stark macht.
Du Geist des Feuers, das uns glaubhaft macht.
Komm, Heiliger Geist, du Geist der Liebe, die uns einig macht.
Du Geist der Freude, die uns glücklich macht.
 Du Geist des Friedens, der uns versöhnlich macht.
Du Geist der Hoffnung, die uns gütig macht.
 Komm, Heiliger Geist!

(Leonardo Boff)

(Heidi Taut)
 

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Für den 14. August 2022 – den 9. Sonntag nach Trinitatis

 

Matthäus 25, 14- 30 Die anvertrauten Silbermünzen

Das ist genauso wie bei der Geschichte von dem Mann, der in ein anderes Land zog. Er rief seine Mitarbeiter zusammen
und übergab ihnen die Verantwortung für alles, was ihm gehörte. Dem einen vertraute er fünfhunderttausend Silbermünzen an,
dem zweiten zweihunderttausend und dem dritten einhunderttausend, entsprechend der Fähigkeit jedes Einzelnen.
Sofort danach verreiste er. Da setzte sich der, der die Summe von fünfhunderttausend Talern bekommen hatte, in Bewegung
und fing an, damit zu arbeiten, und konnte noch einmal dieselbe Summe dazugewinnen. In gleicher Weise gewann der, der
zweihunderttausend bekommen hatte, dieselbe Summe noch einmal hinzu. Und was tat der, der einhunderttausend bekommen
hatte? Er ging hin, machte ein großes Loch in der Erde und versteckte darin das Silbergeld, das sein Herr ihm gegeben hatte.
Es verging eine lange Zeit. Da kam der Herr wieder zurück und wollte ihre Abrechnung sehen.
 Da trat zuerst der vor, der fünfhunderttausend Münzen erhalten hatte, und legte die anderen fünfhunderttausend Münzen
dazu und sagte: ›Herr, du hast mir fünfhunderttausend Münzen übergeben. Schau mal, ich habe noch einmal fünfhunderttausend
dazuverdient!‹
Da sagte sein Herr zu ihm: ›Du bist ein guter und verantwortungsbewusster Mitarbeiter! Du bist mit dieser geringen Summe
verantwortlich umgegangen. Ich werde dir jetzt etwas wirklich Großes anvertrauen! Komm herein, nimm Teil an der Freudenfeier
deines Herrn!‹
Da trat auch der heran, der zweihunderttausend Silbermünzen erhalten hatte und sagte: ›Herr, du hast mir zweihunderttausend
Münzen gegeben. Hier, ich habe zweihunderttausend Silbermünzen dazuverdient.‹  Da sagte der Herr zu ihm: ›Du bist
ein guter und vertrauenswürdiger Mitarbeiter. Du bist mit einer geringen Summe verantwortungsvoll umgegangen.
Ich werde dir jetzt etwas wirklich Großes anvertrauen! Komm herein, nimm Teil an der Freudenfeier deines Herrn!‹
Da trat auch der hervor, der einhunderttausend Münzen bekommen hatte. Der sagte: ›Herr, mir ist klar, dass du ein Mensch bist,
der über Leichen geht. Du holst dir da Gewinn ab, wo du nichts eingesetzt hast, und verlangst Einnahmen, wo du nichts investiert hast.  
Da bekam ich es mit der Angst zu tun und versteckte dein Geld an einem geheimen Ort. Hier hast du alles wieder!‹
Da sagte sein Herr zu ihm: ›Du bist ein fauler und verantwortungsloser Kerl! Deine eigenen Worte beweisen das. Denn wenn du
meinst, dass ich mir Gewinn holen will, ohne etwas einzusetzen, und Einnahmen erwarte, ohne investiert zu haben, dann hättest du
zumindest mein Geld auf die Bank bringen können. Dann hätte ich wenigstens bei meiner Rückkehr meinen Einsatz zusammen
mit den Zinsen wiedererhalten! Deshalb: Nehmt ihm das Geld weg und gebt es dem, der eine Million Silbermünzen hat!
Denn es ist so: Wer etwas besitzt, dem wird noch dazugegeben werden, sodass er mehr als genug hat. Aber dem, der nichts
aufzuweisen hat, dem wird auch noch das, was er hat, weggenommen werden.  Und diesen völlig nutzlosen Mitarbeiter – werft i
hn hinaus, dorthin, in die äußerste Dunkelheit, wo nur noch Trauer und Klage herrschen.‹

(Die Bibel: Das Buch - Übersetzung von Roland Werner)

Ja, wer hat, dem wird gegeben. Als Jesus seinen Jüngern dieses Gleichnis, und die anderen davor, seinen Jüngern sagte,
kannte er unsere Gesellschaft heute doch noch gar nicht; und ich möchte das Thema Ungerechtigkeit der heutigen Lebensverhältnisse
heute nicht in den Mittelpunkt stellen.
Jesus ist hier einmal alleine mit seinen Jüngern und sie haben Fragen, weil sie vieles nicht verstehen, wenn Jesus von dem Ende der Zeiten
und seinem Wiederkommen spricht.
Das Gleichnis von den anvertrauten Silbermünzen ist eingebettet in Jesu Aussagen zum Ende der Weltzeit und dem entsprechenden Weltgericht.
Bitte, lies die Kapitel 24 und 25 des Matthäusevangeliums im Ganzen, es ist immer wieder sehr aufschlussreich, den jeweiligen
Wochentext im Zusammenhang zu lesen und zu verinnerlichen.
Natürlich geht es Jesus nicht wirklich um die Vermehrung von Geld.
Wer sich zu Jesus Christus bekehrt bekommt etwas mit auf seinen Glaubensweg: Gaben und Begabungen; und die gilt es einzusetzen.
Wer diese Gaben aktiv Gott und den Menschen zur Verfügung stellt,  und sich einbringt, wird letztlich reich dastehen.
Gesegnet und beglückt gleicht dieser Mensch dem gelobten und beschenkten Verwalter.
Wer sich immer nur darauf beruft „ nichts zu können, nichts Besonderes zu sein, keine Begabungen zu haben“ bringt sich selber
um den Lohn, wie der letzte Verwalter dargestellt ist.
Für manche Menschen ist es einfacher, den angeblichen Mangel zu beklagen und Gott noch dafür verantwortlich zu machen.
Doch, nur wer eine Ahnung von seinen Gaben hat, kann sie auch einsetzen.

Wie wäre es mit einer Liste, auf die alles kommt, was ich gut kann oder gern mag. Das ist ganz unterschiedlich:
Andere zum Lächeln bringen oder gut zuhören gehören genauso auf diese Liste wie in der Gemeinde mitarbeiten, Seelsorge leisten,
Einsame-Alte-Kranke besuchen….. Kein Ja, aber…

Ist es nicht schön, was wir alles zu geben haben, DU und Ich?
Und du darfst ganz sicher sein, Gott hat dich nicht vergessen, als er Gaben verteilt hat – aber du musst sie einsetzen, um den ganzen Segen zu spüren.

(Heidi Taut)

 

 

Und dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.
1. Petrus 4 10

 


 

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Für den 24. Juli 2022 - den 6. Sonntag nach Trinitatis

 

Römer 6, 3 8  Das neue Leben – Tauferinnerung

Ihr wisst doch, was bei der Taufe geschehen ist: Wir sind auf den Namen von Jesus Christus getauft worden
und haben damit auch Anteil an seinem Tod.
Durch die Taufe sind wir also mit Christus gestorben und begraben. Und wie Christus durch die Herrlichkeit und Macht
seines Vaters von den Toten auferweckt wurde, so haben auch wir ein neues Leben empfangen und sollen nun so handeln,
wie es diesem neuen Leben entspricht.
Denn wie wir seinen Tod mit ihm geteilt haben, so haben wir auch Anteil an seiner Auferstehung.
Letztlich geht es doch darum: Unser früheres Leben endete mit Christus am Kreuz. Unser von der Sünde beherrschtes Wesen
ist damit vernichtet, und wir müssen nicht länger der Sünde dienen.
Denn wer gestorben ist, kann nicht mehr von der Sünde beherrscht werden.
Sind wir aber mit Christus gestorben, dann werden wir auch mit ihm leben – davon sind wir überzeugt.

(Bibel: Hoffnung für alle)


Martin Luther soll in Not und Anfechtung auf sein Schreibpult geschrieben haben: „Ich bin getauft“.
Von Luther werden einige Geschichten erzählt, die zeigen, dass er nicht perfekt war im Glauben und der Nachfolge;
und, wie es scheint, hatte er seine Taufe auch nicht allzeit parat.
Ganz spontan war mein erster Gedanke bei dem heutigen Wochentext:
Ich bin getauft und denke viel zu selten bewusst daran.
Dabei gehöre ich zu den glücklichen Menschen, die sich genau daran erinnern können.

Es war der 08.Dezember 1974 und ich eine junge Frau. Die Gemeinde war mein Zuhause und meine Taufe ein Fest.
Als ich in das Taufbecken stieg, wo mich der Pastor in Empfang nahm, klopfte mein Herz vor Freude.
Lasset uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben.
Offenbarung 19, 7

Diesen Vers sprach er mir als Taufspruch zu und tauchte mich dann unter.
Als ich aus dem Wasser stieg sang der Chor eines meiner absoluten Lieblingslieder:
  Viel tausend Dank sei Jesus, er hat uns frei gemacht,
  hat siegreich durch sein Blut aller Welt das Heil gebracht.
  Ein jedes Herz anbete, einer jeder singe ihm
  dem hocherhöhten Heiland, dem wir entgegenziehn.
  Vieltausend Dank, vieltausend Dank, da kommt die Freude her,
  zu preisen Ihn ein Leben lang, vieltausendmal und mehr.


Noch jetzt, beim Aufschreiben, muss ich vor Freude weinen.
Durch die Taufe sind wir also mit Christus gestorben und begraben. Und wie Christus durch die Herrlichkeit und Macht
seines Vaters von den Toten auferweckt wurde, so haben auch wir ein neues Leben empfangen.
Denn wer gestorben ist, kann nicht mehr von der Sünde beherrscht werden.
Sind wir aber mit Christus gestorben, dann werden wir auch mit ihm leben – davon sind wir überzeugt.

Wieder ein Bibeltext, den ich nicht vergessen möchte, weil er viel mehr ist, als nur eine Tauferinnerung.
Bei der Taufe geht es um mich und meine Geschichte mit Gott. Getauft auf seinen Sohn Jesus Christus, der mit seinem Leben,
Sterben und seiner Auferstehung für mich den Weg bereitet hat zum Vater.
Was für ein Geschenk, welche Wendung in meinem Leben, welche Perspektive in Not und Anfechtung, in Zweifel und Krisen.
Ich bin getauft und davon überzeugt, dass ich mit Christus lebe,
schon hier in allem weltlichen Chaos und erst recht in der ewigen Herrlichkeit.

 

   

Ich bin getauft !
Luther hat es sich direkt auf sein Pult geschrieben
und das hat ihm Trost und Mut gegeben.
Wo schreibe ich es hin, schreibst du es hin?

 

Eine Anregung.

Ich möchte mich heute auch an meine Taufe erinnern und nehme eine Schale mit Wasser und zünde vielleicht eine Kerze an.
Mit dem Wasser male ich mir ein Kreuz auf die Handfläche und spreche mir selber zu: „Ich bin getauft!“
Was macht das mit mir?
Wie fühlt sich das an?
Was bedeutet das für mich?

 

Sicher ist es auch sehr schön, sich gegenseitig an die Taufe zu erinnern.

 


(Heidi Taut)

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Für den 17. Juli 2022 - den 5. Sonntag nach Trinitatis

 

1. Mose 12, 1 – 4 Gott erwählt Abram


Der HERR sagte zu Abram: »Geh fort aus deinem Land, verlass deine Heimat und deine Verwandtschaft und zieh in das Land,
das ich dir zeigen werde!
Ich werde dich zum Stammvater eines großen Volkes machen und dir viel Gutes tun; dein Name wird überall berühmt sein.
Durch dich werden auch andere Menschen am Segen teilhaben.
Wer dir Gutes wünscht, den werde ich segnen. Wer dir aber Böses wünscht, den werde ich verfluchen!
Alle Völker der Erde sollen durch dich gesegnet werden.«

Abram gehorchte und machte sich auf den Weg. Er war 75 Jahre alt, als er Haran verließ.
(Bibel: Hoffnung für alle)

Auf geht’s, denke ich bei diesem Bibeltext.

Gott legt von Anfang an die Karten auf den Tisch: „Geh fort aus deinem Heimatland“, sagt er zu Abram und nennt den Preis dafür:
Stammvater eines großen Volkes,
viel Gutes, Berühmtheit, für andere zum Segen werden.
Nicht schlecht, das hat Zukunft.
ABER
Wenn  Gott sagt „ Ich mach dich zum Stammvater eines großen Volkes...“
hätte ich so meine Zweifel, wenn ich keine Kinder hätte und aufgrund meines Alters auch keine mehr bekommen würde.

Wenn Gott sagt: „Geh…“ meint er wohl kaum, dass ich erst meinen angehäuften Besitz aufräumen und ausmisten soll und dann überlegen,
wie ich den, vermutlich immer noch zu umfangreichen Rest von A nach B umziehe.

Wenn Gott sagt „Verlass deine Heimat und deine Verwandtschaft….“
wäre ein großes Stück Sicherheit und Geborgenheit in meinem Leben weg.

Gott verspricht dem Abram aber noch mehr:
Wer dir Gutes wünscht, den werde ich segnen. Wer dir aber Böses wünscht, den werde ich verfluchen!

Und Abram gehorchte! Er hatte Gottes Ansage nicht als Angebot verstanden, sondern als Auftrag, ja, als Befehl.
Er machte sich mit 75 Jahren auf den Weg in ein Land, von dem er noch nicht wusste, wo es sein sollte
und wie der Weg dahin verlaufen würde.
Abram war aber kein einsamer Pilger, oder wie wir heute sagen: Aussteiger auf dem Selbstfindungstrip.
Wie aus dem nachfolgenden Bibeltext zu erlesen ist, nahm er seine Frau Sarai, seinen Neffen Lot, und alle Knechte und Mägde und
natürlich seine Herden mit.
Alles überschaubar und kein Grund, die Abreise zu verzögern. Also. Zelte abgebaut und los ging es.

Auf dem Weg richtete Abram immer wieder aus Steinen einen Altar auf, um zu Gott zu beten. Er war nicht nur unterwegs,
er suchte immer wieder die Stille vor Gott.
Abram war ein Mann, nach dem Herzen Gottes; nicht unfehlbar und ohne Schuld, aber immer wieder still vor Gott, hörend und handelnd.
Später heißt es in der Bibel, dass Gott dem Abram seinen Glauben und sein Vertrauen zur Gerechtigkeit anrechnete.

Zur Ruhe kommen und in die Stille eintauchen
in der Stille Gottes Stimme hören
aus dem Hören zum Handeln und in Bewegung kommen

das wünsche ich mir und dir!

(Heidi Taut)

   

Drauflosgehen

Wie ist das wohl, alles stehen und liegen zu lassen und zu vertrauen? Eine kleine oder eventuell sogar große Übung kann helfen.

Dazu brauchen Sie mindestens zwei Stunden Zeit. Legen Sie ihre Uhr ab, lassen Sie Ihr Handy daheim und machen sich einfach auf den Weg – ganz egal ob zu Fuß oder mit dem Bus oder der Straßenbahn; aber bitte nicht mit dem Auto.
Nehmen Sie sich keine feste Route vor, sondern lassen Sie sich von Ihrer Lust leiten. Wie fühlt es sich an, einmal keinen Plan zu haben? Spüren Sie die Freiheit – oder auch die Unsicherheit, wohin es gehen soll? Wie wäre das – nur aus dem Vertrauen zu leben? Geht das überhaupt? Vielleicht möchten Sie Ihre Gedanken in einem Gebet vor Gott bringen.

 


 

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Für den 10. Juli 2022 - den 4. Sonntag nach Trinitatis

 

Johannes 8, 3- 11 Eine Frau wird beim Ehebruch ertappt

Während er sprach, brachten die Gesetzeslehrer und Pharisäer eine Frau herein, die sie beim Ehebruch ertappt hatten.
Sie stellten sie in die Mitte.
»Meister«, sagten sie zu Jesus, »diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt worden.
Nach dem Gesetz Moses muss sie gesteinigt werden. Was sagst du dazu?«
Damit wollten sie ihn zu einer Aussage verleiten, die sie gegen ihn verwenden konnten. Doch Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger in den Staub.
Aber sie ließen nicht locker und verlangten eine Antwort. Schließlich richtete er sich auf und sagte: »Wer von euch ohne Sünde ist,
der soll den ersten Stein auf sie werfen!«
Damit bückte er sich wieder und schrieb weiter in den Staub.
Als die Ankläger das hörten, machten sie sich einer nach dem anderen davon, die Ältesten zuerst. Schließlich war Jesus allein mit der Frau,
die noch immer an der gleichen Stelle in der Mitte stand.
Da richtete Jesus sich wieder auf und sagte zu ihr: »Wo sind sie? Hat dich keiner von ihnen verurteilt?«
 »Niemand, Herr«, antwortete sie. »Dann verurteile ich dich auch nicht«, erklärte Jesus. »Geh und sündige nicht mehr.«

(Bibel: Neues Leben)

Jesus begegnen

Eine merkwürdige Situation, die wir hier betrachten.
Verfechter der jüdischen Tradition haben sich zur Aufgabe gemacht, Jesus auf Schritt und Tritt zu verfolgen, ihn zu provozieren und einen Grund zu finden,
ihn anzuklagen.
Hier haben Pharisäer eine Frau ausfindig gemacht und beim Ehebruch ertappt. Kurzerhand schleppen sie diese Frau zu Jesus, stellen sie mehr oder weniger
vor ihm ab und fordern ihn heraus.
Nach den althergebrachten jüdischen Regeln, muss diese Frau gesteinigt werden und Jesus soll nun dazu Stellung nehmen. Tut er aber nicht;
er lässt sich nicht zu einer spontanen Antwort provozieren, bückt sich und schreibt mit dem Finger in den Sand. Wartet ab. Dann seine überraschende Antwort:
Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen!“
Danach zieht sich Jesus wieder in seine abgewandte Position zurück.
Damit haben die frommen Juden nicht gerechnet, sie sollen sich mit ihren eigenen Sünden beschäftigen. Jesus führt die Ankläger vor und bevor es für sie noch
richtig peinlich wird, ziehen sie sich nach und nach zurück.

Schließlich war Jesus allein mit der Frau, die noch immer an der gleichen Stelle in der Mitte stand.

Ach, ja, die Frau ist ja auch noch da.
Kein Wort davon, wie es ihr ergeht, in dieser Situation. Wie haben die Pharisäer sie überhaupt entdeckt? Sie wurde sicherlich gegen ihren Willen zu Jesus gebracht,
nur Mittel zum Zweck? Hatte sie Todesangst?
Schließlich wurde ja eine eindeutige Stellungnahme von Jesus erwartet: das JA zur Steinigung.
Dann sind alle weg, nur sie und Jesus sind noch da. Die Frau scheint wie erstarrt, steht immer noch an der gleichen Stelle.
Erst jetzt, nachdem sich die Lage beruhigt hat, spricht Jesus die Frau direkt an: »Wo sind sie? Hat dich keiner von ihnen verurteilt?«
Und nun kann auch sie sprechen: »Niemand, Herr«, antwortete sie

Ungewollt, unter dem Druck einer fremdbestimmten Situation steht diese Frau plötzlich vor Jesus und ja, sie weiß, dass sie die Sünde des Ehebruchs begangen hat;
und sie weiß, dass ihr dafür nach jüdischem Gesetz die Steinigung angedroht ist.
Aber auch hier kein Wort über die Gefühle der Frau. Ist sie erleichtert, dass die Todesstrafe abgewandt ist, oder vielleicht sogar schadenfroh, dass die Pharisäer von Jesus
in die Schranken gewiesen wurden?

Umso verblüffender, dass Jesus ohne großartige Ausführungen und Erklärungen dieses Aufeinandertreffen abschließt:
»Dann verurteile ich dich auch nicht«, erklärte Jesus. »Geh und sündige nicht mehr.«

 

Ja, auch so können Begegnungen mit Jesus zustande kommen.

Einfach so, aus dem Alltag heraus, ein Blick, ein paar belanglose Worte oder auch ein überraschendes Geschehen – und plötzlich fühle ich mich bewusst vor Jesus gestellt.
Gut, wenn ich dann weiß, dass der Herr liebevoll auf mich blickt, mich nicht verurteilt; er schickt mich wieder meiner Wege, aber in meinem  Blick, im Sinn und im Herzen bleibt sein Auftrag:
»Geh und sündige nicht mehr.«


(Heidi Taut)
 

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Für den 03. Juli 2022 - den 3. Sonntag nach Trinitatis

 

Hesekiel 18, 1-4, 21-24, 30-32 Die Gerechtigkeit eines gerechten Gottes

Wieder erhielt ich eine Botschaft vom Herrn: »Warum habt ihr im Land Israel das Sprichwort: `Die Eltern haben saure Trauben gegessen, und den Kindern werden die Zähne stumpf?´
`So wahr ich lebe´, spricht Gott, der Herr, `dieses Sprichwort soll in Israel nicht mehr gebraucht werden. Denn mir gehören alle Menschen - die Eltern genauso wie die Kinder.
Sie gehören mir. Und nur wer sündigt, soll sterben.  Und wenn der Gottlose von seinen Sünden umkehrt, die er begangen hat, und anfängt mein Gesetz zu halten und zu tun,
was recht und gerecht ist, wird er ganz sicher am Leben bleiben und nicht sterben. All seine Sünden, die er begangen hat, werden ihm nicht angerechnet, und wegen der Gerechtigkeit,
die er ausgeübt hat, soll er am Leben bleiben. Glaubt ihr´, fragt Gott, der Herr, `dass ich mich über den Tod eines gottlosen Menschen freue? Ich freue mich viel mehr darüber,
wenn er sein Verhalten ändert und am Leben bleibt. Aber wenn ein Gerechter sich von seiner Gerechtigkeit abwendet, wenn er Unrecht tut und die gleichen abscheulichen Taten begeht
wie der Gottlose - wenn er das tut, soll er dann am Leben bleiben? Dann werden seine gerechten Taten von früher vergessen sein, und wegen seiner Untreue und wegen seiner Sünden,
die er begangen hat, wird er sterben. Deshalb werde ich jeden Einzelnen von euch nach seinem Verhalten richten, Volk der Israeliten´, spricht Gott, der Herr.
`Kehrt um und hört auf zu sündigen! Lasst nicht zu, dass ihr Schuld auf euch ladet! Trennt euch von euren Verfehlungen, die ihr begangen habt, und erneuert eure Herzen und euren Geist.
Denn warum wollt ihr sterben, Volk der Israeliten? Ich freue mich nicht über den Tod eines Menschen, der sterben muss, spricht Gott, der Herr. Kehrt also um, damit ihr am Leben bleibt!´
(Bibel: Neues Leben)l

Vor zwei Wochen hörten wir von dem Reichen, der nicht nur für sich zu spät erkannte, was für ein gottfernes Leben er geführt hatte; auch seine Bitte, den Lazarus noch einmal
aus der Ewigkeit zu seinen Verwandten zu schicken, um sie zur Umkehr zu bewegen, wurde ihm nicht erfüllt.
Gott ist auch in der Lage Schlussstriche zu ziehen.
Dann war da Jona, der von Gott den Auftrag hatte, den Menschen der Stadt Ninive zu sagen: entweder Umkehr oder Tod. Nach seiner Flucht, vor diesem Auftrag, und seinem
spektakulären Erlebnis im Meer, hat sich Jona dann doch nach Ninive begeben.
Die Menschen dort, haben die Botschaft Gottes gehört, angenommen und sind vor dem Tod gerettet worden.
Gott kann auch fordernd sein, unbequem; und manchmal lässt er nicht locker.

Gott lässt niemanden im Unklaren darüber, was er erwartet, damit er den Menschen in seine ewige Herrlichkeit führt.
Im heutigen Text macht er das sehr deutlich.
Wer sündigt soll sterben! So eindeutig harte Worte sind wir kaum noch gewohnt. Heute soll sich selbst die schlimmste Nachricht noch freundlich und wohlwollend anhören.
Wir verbiegen uns oft gewaltig, um die Wahrheiten nur nicht klar und deutlich auszusprechen.
Wer von seinen Sünden umkehrt und nach Gottes Willen lebt, wird nicht sterben. Alle seine Sünden werden ihm nicht angerechnet.

ABER: umgekehrt ist es genauso.
Dem Sünder stellt Gott den Gerechten gegenüber.
Wenn dieser vom Weg abkommt und sündigt, wie der Gottlose, werden seine gerechten Taten vergessen sein und deshalb wird er sterben.

Im Klartext heißt das: Gutes tun auf Vorrat gibt es bei Gott  ebenso wenig, wie ein Zuspätkommen  für die Umkehr – solange wir hier im irdischen Leben sind.
Und Gott macht deutlich, dass es im Glauben keinen Generationenvertrag gibt.
Im Text heißt es : „Nur wer sündigt wird sterben. Deshalb werde ich jeden Einzelnen von euch nach seinem Verhalten richten.“
Jeder ist im Leben und Glauben für sich selbst verantwortlich.
Demzufolge muss ich mein Leben immer wieder auf den Prüfstand stellen, ob es vor Gott und seinem Anspruch auf Nachfolge stand hält.
Das fällt mir an manchen Tagen leicht und bringt mich an anderen Tagen an meine eigenen Grenzen.
Es gibt Tage, an denen Gott mich als Bote beauftragt und Tage, an denen ich bedürftig nach Boten und Botschaften Ausschau halte.
Ganz sicher wird mir Gott an jedem Tag genau das geben, wozu er mich befähigt – oder mich durch sein Wort oder Menschen im Glauben stärkt.

Mit dem Sterben und dem Leben in unserem heutigen Text, sind der ewige Tod und das ewige Leben gemeint.
Gott hat keine Freude daran, wenn gottlose Menschen sterben. Er hat Freude daran, wenn Menschen umkehren und auf dem Weg der Nachfolge
dem ewigen Leben entgegengehen.
Aber für diesen Weg trage ich selber die Verantwortung!
Je treuer, sichtbarer und gradliniger wir Christen diesen Weg gehen, umso mehr Menschen haben die Möglichkeit zur Umkehr von ihren bösen Wegen.

(Heidi Taut)

 

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Für den 26. Juni 2022 - den 2. Sonntag nach Trinitatis

 

 

Jona 3, 1 – 10      Jona in Ninive

Dann kam das Wort Jahwes ein zweites Mal zu Jona: "Los, geh in die große Stadt Ninive und ruf ihr die Botschaft zu,
die ich dir auftrage!"
Da ging Jona los, wie Jahwe es ihm gesagt hatte, und kam nach Ninive. Ninive war eine sehr große Stadt vor Gott mit
einem Umfang von drei Tagereisen.
Jona begann in die Stadt hineinzugehen. Er ging einen Tag lang und rief: "Noch vierzig Tage, dann ist Ninive völlig zerstört!"
Die Leute von Ninive glaubten Gott und beschlossen zu fasten. Alle, Groß und Klein, zogen den Trauersack an.
Jonas Botschaft hatte nämlich den König von Ninive erreicht. Er war von seinem Thron gestiegen,
hatte sein Herrschergewand ausgezogen, den Trauersack angelegt und sich in die Asche gesetzt.
Dann hatte er in der ganzen Stadt ausrufen lassen: "Hört den Befehl des Königs und seiner Oberen: 'Menschen und Tiere,
Rinder und Schafe sollen weder essen noch weiden noch Wasser trinken!
Menschen und Tiere sollen mit dem Trauersack bedeckt sein und mit aller Macht zu Gott rufen.
Alle sollen von ihren bösen Wegen umkehren und aufhören, Unrecht zu tun!
Wer weiß, vielleicht tut es Gott dann leid und er lässt von seinem glühenden Zorn ab, so dass wir nicht umkommen.'"

Gott sah ihr Tun, er sah, dass sie umkehrten und sich von ihrem bösen Treiben abwandten. Da tat es ihm leid,
sie zu vernichten, und er führte die Drohung nicht aus.

(Bibel: Neue evangelistische Übersetzung von Karl-Heinz Vanheiden)

Auch diese Woche, eine bekannte Kinder-Bibel-Geschichte. Meine Erinnerungen reichen von farbenprächtigen Bildern,
auf denen Jona es sich im Inneren des Walfisches gemütlich macht,
bis hin zu riesigen Pappmachees, in denen die Kinder einer Bibelwoche sich fotografieren lassen konnten.
Dass Jona auf der Flucht war, vor Gott und seinem unangenehmen Auftrag, war eher eine Randgeschichte.
Doch genau dieser Auftrag ist heute Mittelpunkt, wenn es um Jona geht.
Wenn auch spät, aber er bekommt die Kurve und geht nach Ninive, um dort Gottes Botschaft laut  und deutlich an die Menschen zu bringen.
Und, oh Wunder, eine ganze Stadt bekehrt sich wieder zu Gott und wird durch diesen Gehorsam gerettet.
Wenn es doch so einfach wäre, ist mein erster Gedanke. Dann frage ich mich, woran liegt es, dass ich mir so etwas heute schwer vorstellen kann.
Es braucht Menschen wie Jona, die ganz nahe mit und bei Gott leben, sozusagen ihr Ohr am Mund Gottes haben.
Da wird es schon schwierig. Von wem kann ich so ein Leben erwarten, wem zumuten?
Habe ich nicht selber genug Schwierigkeiten, in der ganzen Informationsflut dieser Tage noch in völliger Stille meine Seele
vor Gott zur Ruhe zu bringen; nicht nur sein Wort aufzunehmen, sondern auch Wegweisungen und Aufträge?
Dann stell ich mir vor, wie das Ausrufen der Botschaft Gottes in einer gut besuchten Innenstadt heute wohl gehen soll.
Wozu sind die Menschen noch bereit? Stehen bleiben, zuhören, nachdenken, ins Gespräch kommen; oder doch eher lachen, schimpfen,
sich belästigt fühlen, aggressiv werden?

Wehmütig denke ich an fröhlich, freimütige Einsätze am Springbrunnen unserer Innenstadt zurück.
„Wir singen von Jesus, sein ist Gewalt und Macht…“ schmetterten wir unbekümmert zu unserem Gitarrengeklampfe.

Immer wieder wird auch unter Christen die Frage laut: Warum lässt Gott all das Unglück, die Katastrophen, Kriege und Verfolgung zu;
er weiß doch um die Not seiner Kinder?
Hören – Gehen – Handeln!
ist der Dreiklang, der die Botschaft Jesu Christi unter die Menschen bringt.
In welcher Phase befinde ich mich, befindest du dich?
Sind wir noch in der Unruhe unseres Lebens damit beschäftigt, die Stimme Gottes herauszuhören und seine Aufträge anzunehmen?
Haben wir verstanden und sind auf unserer ganz persönlichen Flucht und haben Arbeit, Freizeitaktivitäten, Krankheiten, Selbstmitleid
und vieles mehr zu unserem „Walfisch“ gemacht, in dem wir glauben, uns verstecken zu können?
Oder sind wir schon auf dem Weg zu den Menschen, um Gottes gute Botschaft zu verkünden?
Mitten in Pandemie, Kriegshandlungen, Klimakatastrophen und gesellschaftlichem Abstieg will Gott bei den Menschen sein!
Aber dazu gehören Ich und Du, als seine Botschafter; am Brunnen in der Innenstadt, an der Haustür meiner Nachbarn
oder am Stammtisch der Neunmalklugen.
Viele Fragezeichen, aber Gott ist da. In Jesus Christus hat er den Fragezeichen sein Ausrufungszeichen entgegengesetzt.
Menschen können nur ihr Leben zu Gott hin verändern, wenn sie seine Botschaften auch hören,
und das ist und bleibt unser Auftrag in dieser schwierigen Zeit
Hören – Gehen – Handeln!

(Heidi Taut)

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Für den 19. Juni 2022 - den 1. Sonntag nach Trinitatis

Lukas 16, 19 - 31 Der Reiche und der Arme
Es lebte einmal ein reicher Mann, der sich immer mit der allerteuersten purpurfarbenen Kleidung und den feinsten Leinengewändern kleidete.
Dabei ließ er es sich so richtig gut gehen und lebte in Saus und Braus.
Gleichzeitig lebte direkt vor seiner Haustür ein armer Mann namens Lazarus. Sein Körper war völlig mit Geschwüren übersät.
Er hoffte immer darauf, sich so richtig satt essen zu können an den Essensresten, die vom Tisch des reichen Manns herunterfielen.
Stattdessen kamen die Hunde und leckten auch noch an seinen Wunden.
Schließlich geschah das: Der Arme starb und wurde von den Engeln Gottes in den väterlichen Schoß Abrahams getragen.
Dann starb auch der Reiche und wurde beerdigt. Als er in der Unterwelt war, wo er große Qualen erlitt, blickte er nach oben und sah
von Weitem Abraham, der Lazarus in seine Arme geschlossen hatte. Da rief er: ›Abraham, Vater, hab Mitleid mit mir und schicke Lazarus!
Er soll nur seine Fingerspitze in Wasser tauchen und damit meine Zunge benetzen! Denn ich leide sehr in diesem Feuer!‹
Aber Abraham antwortete: ›Kind, erinnerst du dich daran, wie du so viel Gutes in deinem Leben erfahren hast und Lazarus
genauso viel Schlechtes. Nun wird er hier getröstet, während du leidest. Und außerdem klafft zwischen uns und euch eine gewaltige Kluft.
Selbst die, die von hier zu euch hinübergehen wollen, können das nicht, und genauso wenig kann einer von dort hierher zu uns gelangen.‹
Da sagte der reiche Mann: ›Dann bitte ich dich, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters zu meiner Familie sendest.
Denn ich habe noch fünf Brüder. Die soll er aufrütteln, damit sie nicht auch noch an diesen Ort der Qual kommen!‹ Doch Abraham antwortete:
›Sie haben doch die Bücher von Mose und den Propheten! Die sollen sie ernst nehmen!‹ Da sagte er noch einmal: ›Nein, Vater Abraham!
Sondern, wenn jemand von den Toten wieder zu ihnen zurückkehrt, dann werden sie ihr Leben sicherlich ändern!‹
Doch Abraham sagte: ›Wenn sie Mose und die Propheten nicht ernst nehmen, dann werden sie auch nicht überzeugt werden,
wenn einer von den Toten wieder aufersteht.‹«

(Bibel: Das Buch übersetzt von Roland Werner)


Die Erinnerungen an diesen Bibeltext aus meiner Kinderbibel sind eindeutig mit dem armen Lazarus verbunden,
der nach einem qualvollen Leben erschöpft, aber glücklich in den Armen Abrahams ruht.
Jetzt, beim Lesen des Textes sind es drei ganz andere Gedanken, die mich spontan beschäftigen

1. Können sich die Verstorbenen tatsächlich in den unterschiedlichen Ebenen, hier OBEN und UNTERWELT benannt, wahrnehmen?
Ich vertraue darauf, dass Jesus vermutlich so drastische Bilder gebraucht hat, um die Dringlichkeit des Glaubens und Vertrauens
in den Mittelpunkt zu stellen.
Wir haben ja die Zusage, dass Gott alle Tränen abwischen wird und kein Leid und Geschrei mehr sein wird in seiner ewigen Herrlichkeit;
also auch keine Konfrontation mehr, mit den weltlichen Machtansprüchen und Übergriffen.

2. Besitzt der Reiche tatsächlich die Unverschämtheit, sich auch noch über den Tod hinaus des Armen zu bedienen?
Jesus hat schon vor über 2000 Jahren den Finger in die Wunde gelegt, die heute noch offen vor uns liegt, ohne zu heilen oder zu vernarben:
das Bedienen der wohlhabenden Gesellschaft, der Multikonzerne, der gierigen Wirtschaftsunternehmen, der Reichen und Schönen,
der Aktionäre - die Liste ist unendlich - auf dem Rücken und Leben der Armen, Bedürftigen, der Flüchtlinge, kleinen und einfachen Menschen,
ist zeitlos.
Wenn die reiche Welt Lust auf Kakao mit Sahne hat, ist es egal, ob die Kakaobohnen von 8jährigen Kindern mit Macheten geerntet werden;
wenn die Jugend der Welt angesagte Jeans tragen will, stört es nicht, dass die Menschen in Asien dafür bis zu den Oberschenkeln
in ätzender Chemikalie stehen, um die "richtige" Einfärbung zu liefern.
Ein Weltkonzern kauft Wasserquellen auf, damit wir feinstes Tafelwasser immer und überall zur Verfügung haben.
Der Brunnen der Dorfgemeinschaft, die 500 m neben dieser Quelle lebt, ist durch die exessive Wasserentnahme ausgetrocknet.
Die Bewohner können jetzt beim Betreiber der Quelle ihr Wasser kaufen - falls sie Geld dafür haben.
Da diese schreiende Gier und Ungerechtigkeit gerade mein Thema ist, könnte ich noch vieles aufzählen.
Da hinein platzt wie ein Sturzbach die Erzählung Jesu von dem Reichen Menschen, der noch über den Tod hinaus seine Ansprüche
geltend macht. Ich atme auf, als Abraham in deutlichen Worten klar stellt, dass dieses Anspruchsdenken in der Ewigkeit ein Ende gefunden hat;
und auch, dass es keine Verbindungswege gibt zwischen "Oben" und der "Unterwelt".
Wirklich erschütternd ist, das der Reiche noch darauf hingewiesen werden muss, dass er bereits zu Lebzeiten abgeschöpft hat
und jetzt nicht mehr dran ist. Aber er gibt nicht auf, fordert weitere Dienste von Lazarus ein.
"Jetzt ist es aber genug", möchte ich dazwischen rufen. Der Reiche ist gewohnt, so lange rumzuquengeln, bis er seinen Willen bekommt.
Da hat er aber die Rechnung ohne Abraham gemacht, der ihn schroff abweist. Nein, keine Sonderbehandlung für den Reichen
und seine noch lebende Verwandtschaft. Sie haben alles was nötig ist, die Bücher von Mose und den Propheten und wenn sie denen nicht glauben,
muss auch niemand von den Toten zurückkehren, um sie zu überzeugen.
Und auch wir leben heute in einem freien Land, in dem sich jeder offen und ohne Scheu mit dem Wort Gottes, der Bibel vertraut machen kann.

Und schließlich 3. Wieviel Trost und Hoffnung nehmen die Ärmsten der Welt, die Hungernden, die Flüchtlinge, die Gefangenen,
die Verfolgten aus diesem Wort Jesu für sich auf?
Müssen sie mit dem Blick, auf die Gerechtigkeit in Gottes neuer Welt zufrieden sein?
Glauben leben und offen Christsein ist so einfach, wenn keine Gefahr droht und niemand zuschaden dabei kommt,
uns hier steht alles zur Verfügung.
Einen Moment lang habe ich überlegt, was oder wen mir Gott zeigen würde, wenn ich der Reiche wäre,
der aus der "Unterwelt" nach "Oben" blickt.
Ich kann, darf und muss mich auf Gottes Gnade verlassen, der mir sein Wort aufschließt und meine Augen,
mein Herz und meine Hände öffnen will, für die Menschen in Armut, Not und Bedrängnis.

(Heidi Taut)

 

 


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hier besteht die Möglichkeit, die vorherigen
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